Plötzlicher anhaltender Sehverlust ist ein Notfall
Ein retinaler Arterienverschluss unterbricht die arterielle Blutversorgung der Netzhaut. Typisch ist eine plötzlich einsetzende, schmerzlose und anhaltende Sehverschlechterung oder ein ausgeprägter Gesichtsfeldausfall. Die Netzhaut toleriert Ischämie nur sehr begrenzt, deshalb zählt die Zeit.
Stroke-Abklärung darf nicht durch Reiseplanung verzögert werden
Das UKE nennt neurologische Mitbeurteilung, mögliche Stroke-Unit-Aufnahme und Emboliequellensuche. Dazu können Blutdruckmessung, Karotis-Doppler, Echokardiografie sowie die Abklärung von TIA oder Amaurosis fugax gehören.
OCT und Angiografie ergänzen die systemische Abklärung
Fundusuntersuchung, OCT und Fluoreszenzangiografie können den retinalen Befund und die Ischämie dokumentieren. Sie ersetzen jedoch nicht die dringliche neurologisch-vaskuläre Abklärung.
Es gibt keine garantierte sehverbessernde Akuttherapie
Bei nicht-arteriitischem CRAO bleibt die Evidenz für Reperfusionsbehandlungen schwierig und stark zeitabhängig. Ein randomisiertes 2026 publiziertes Tenecteplase-Studium zeigte keinen besseren primären Visuserholungs-Endpunkt als Aspirin und relevante Sicherheitsprobleme. Ob eine akute Reperfusionsbehandlung überhaupt infrage kommt, muss unmittelbar das lokale Stroke-/Augenteam anhand von Zeitfenster, Diagnose und Kontraindikationen entscheiden.
Riesenzellarteriitis bei passender Klinik sofort mitbedenken
Bei älteren Patientinnen und Patienten können Kopfschmerz, Kauschmerz, empfindliche Kopfhaut, Allgemeinsymptome oder erhöhte Entzündungswerte auf eine Riesenzellarteriitis hinweisen. Das UKE bezeichnet die Augenbeteiligung als Notfall; bei Verdacht darf die Behandlung nicht bis zum Abschluss aller Diagnostik verzögert werden.
Nach der Akutphase Ursache und Rehabilitation klären
Später kann eine Zweitmeinung zu Bildgebung, Diagnose, Komplikationen oder Sehrehabilitation sinnvoll sein. Sie ersetzt nie die initiale Notfallversorgung.
- Exakter Symptombeginn und Verlauf
- Fundusbilder und OCT
- Fluoreszenzangiografie falls erfolgt
- Visus- und Gesichtsfeldbefunde
- Karotis- und Herzdiagnostik
- Stroke-Unit-/Neurologie-Bericht
- Gefäßrisikofaktoren
- Entzündungswerte/Riesenzellarteriitis-Abklärung wenn relevant
- Aktuelle Plättchenhemmer, Antikoagulanzien und Herz-Kreislauf-Medikamente
Offizielle und aktuelle Quellen
- Central retinal artery occlusion – diagnosis and neurological work-up — University Medical Center Hamburg-Eppendorf (UKE) ↗
- Acute central retinal artery occlusion research – Time is Retina — University Medical Center Hamburg-Eppendorf (UKE) ↗
- S2e guideline: retinal arterial occlusions — German Ophthalmological Society (DOG) ↗
- Giant cell arteritis – ocular emergency — University Medical Center Hamburg-Eppendorf (UKE) ↗
- Randomized trial of tenecteplase in acute CRAO (2026) — New England Journal of Medicine / PubMed ↗